Interoperabilität zwischen verschiedenen Ländern - Entrichten der Maut mit einem Fahrzeuggerät

Als Mautbetreiber im Zentrum Europas ist es ein erklärtes Ziel der ASFINAG, ihren Kunden auch im Hinblick auf Interoperabilität mit anderen Mautsystemen den bestmöglichen Service zu bieten. Die ASFINAG engagiert sich daher auch in verschiedenen europäischen Forschungsprojekten, in denen technische und vertragliche Grundlagen für die Interoperabilität von Mautsystemen bzw. der Einführung des EETS (Electronic European Toll Service) entwickelt werden.

Mit Ausnahme Deutschlands, Italiens und der Schweiz sind in allen europäischen Ländern, in denen schon eine elektronische Bemautung durchgeführt wird, Mautsysteme nach dem in Österreich eingesetzten technischen Prinzip (5.8 GHz DSRC Mikrowelle nach dem CEN Standard) im Einsatz.

Technisch gesehen besteht somit die Chance, die Entrichtung der Maut in den betreffenden Ländern mit nur einem Fahrzeuggerät durchzuführen, wenn die Datenübertragung an der Mikrowellen-Schnittstelle des Fahrzeuggeräts abgestimmt und die kommerziellen sowie ablauftechnischen Prozesse entsprechend vereinbart werden.

Das EETS, welches durch die Interoperabilitätsrichtlinie 2004/52/EG gefordert wird, soll nach dessen Einführung einem Kunden ermöglichen, mittels eines einzigen Fahrzeuggerätes und eines einzigen Vertrages die Maut in ALLEN europäischen Ländern zu begleichen. Um dies zu ermöglichen, ist es notwendig, dass das Fahrzeuggerät neben der vorgenannten CEN DSRC-Schnittstelle auch noch mit dem in Italien gebräuchlichen DSRC-System und mit satellitenbasierten Mautsystemen wie in Deutschland kompatibel ausgeführt ist.

Das Grundkonzept dieses Europäischen Elektronischen Mautdienstes (EETS) wurde von dem Projekt CESARE III erarbeitet. Das Nachfolgeprojekt CESARE IV befasst sich seit 2007 mit der genauen Ausgestaltung des EETS und hat eine geplante Laufzeit bis Ende 2009. Basierend auf den Ergebnissen des Projektes CESARE IV wird die Europäische Kommission die dazu notwendigen rechtlichen Entscheidungen zur Einführung des EETS treffen.

In Österreich wurden die Voraussetzungen für einen interoperablen Betrieb seitens ASFINAG bereits Mitte 2008 hergestellt, indem bei den straßenseitigen Einrichtungen (roadside equipment) im österreichischen Mautsystem ein Upgrade zur Kompatibilität zu EN15509 (Anwendungsprofil zur DSRC Interoperabilität) durchgeführt wurde. Bereits mit dem Start des österreichischen Mautsystems am 1.1.2004 ist es der ASFINAG gemeinsam mit der Eidgenössischen Oberzolldirektion - dem Betreiber des Schweizer Mautsystems - gelungen, die Interoperabilität mit dem Schweizer Fahrzeuggerät TRIPON zu realisieren und damit die weltweit erste Interoperabilität zwischen Mautsystemen zweier Länder zu schaffen. Derzeit untersucht ASFINAG gemeinsam mit weiteren Mautbetreibern wie z.B. Toll Collect in Deutschland oder dem Skandinavischen Mautkonsortium EasyGo (Mautbetreiber aus Dänemark, Norwegen und Schweden) die Möglichkeiten eines interoperablen Betriebs, um u.a. Erfahrungen schon vor der Einführung von EETS zu sammeln.

Interoperabilität mit der Schweiz - Eigener Vertrag

Voraussetzung dafür ist, dass der Fahrzeughalter, der sein „TRIPON“ Fahrzeuggerät in Österreich benutzen will, auch in Österreich einen Vertrag mit ASFINAG abschließt. Er muss dazu bei ASFINAG die nötigen Angaben über sich selbst, über das oder die Fahrzeuge und über das von ihm gewählte Zahlungsmittel machen. Sobald ASFINAG den Vertrag mit dem Nutzer aus der Schweiz akzeptiert hat, erhält die OZD eine Mitteilung. Die Schweizer Behörde sendet daraufhin dem Nutzer eine Chipkarte zu, die dieser nur noch in den „TRIPON“ einsetzen muss. Die Bezahlung der österreichischen Maut selbst erfolgt völlig unabhängig von der Schweizer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Die einfachste Art der Anmeldung ist im SelfCare Portal (www.go-maut.at) möglich. Alternativ können Sie sich auch an das ASFINAG Service Center unter (0)0800 400 12 400 bzw. +43 (1) 955 12 66 wenden. Voraussetzung für einen solchen Vertrag ist eine fahrzeuggebundene Tankkarte.